Agiles Projektmanagement mit Scrum und GreenHopper

Als IT-Berater erhalte ich täglich Einblick in die Prozesse verschiedenster Unternehmen. Immer häufiger fällt mir dabei auf, dass Softwareunternehmen – egal ob groß oder klein – ihr Projektmanagement nach agilen Methoden ausrichten. Etablierte Unternehmen lösen sich damit von komplizierten SWE-Prozessen und junge Firmen ermöglichen ihren Teams flexible und unbürokratische Arbeitsmodelle. Eines der am häufigsten verwendeten agilen Modelle ist Scrum. Was dieses Modell auszeichnet und wie man es mittels Jira und GreenHopper komplett elektronisch durchführen kann, erfahren Sie in diesem Artikel.

Kurzüberblick Scrum

Scrum bezeichnet ein Vorgehensmodell der Softwaretechnik, das auf einfachen Regeln und inkrementeller, iterativer Entwicklung von Software beruht. Scrum versucht, die Komplexität von Software-projekten aufzubrechen, indem es die geforderten Funktionen aus Anwendersicht formuliert und in inkrementellen Sprints zu einem jeweils auslieferfertigen Produkt umsetzt.

Scrum Prozess

Einfache Darstellung des Scrum Prozesses (Quelle: Sebastian Wallroth (Scrum_process.svg) [CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0] )

Mit Scrum werden die an ein Produkt oder eine Software gestellten Anforderungen in Form von User Stories dokumentiert und in einem Produkt-Backlog verwaltet. In Vorbereitung eines Sprints werden die am höchsten priorisierten User Stories in ein Sprint-Backlog verschoben und vom Entwicklungsteam in kleinere Aufgaben heruntergebrochen. Die Umsetzung dieser Aufgaben erfolgt in einem ca. 2-4 Wochen dauernden Sprint. Während des Sprints führt das Entwicklungsteam täglich einen Daily Scrum durch, in dem der aktuelle Status und eventuelle Hindernisse besprochen werden. Nach Ende des Sprints findet eine Auswertung der umgesetzten User Stories statt und der neue Sprint wird geplant.

Die kurze Dauer der einzelnen Entwicklungszyklen ermöglicht es, auf geänderte Anforderungen schnell und flexibel zu reagieren. Gleichzeitig wird das klassische Dreieck des Projektmanagements abgeändert: es gibt keinen Kompromiss aus Kosten, Zeit und Qualität, stattdessen einen Kompromiss aus Kosten, Zeit und Funktionalität. Je mehr Zeit und Budget zur Verfügung steht, um so mehr Funktionalität ist möglich – hinsichtlich der Qualität werden mit Scum aber keine Kompromisse gemacht.

Scrum mit Jira und GreenHopper

noteitJira in Verbindung mit GreenHopper ermöglicht es, den gesamten Scrum-Zyklus elektronisch zu planen, durchzuführen und nachzu-verfolgen. Die Zeit der riesigen Tafeln voller Post-Its gehört damit dem Ende an. Zur Verdeutlichung hier ein typischer Scrum-Zyklus, wie ich ihn in der Praxis bereits mit Jira und Greenhopper erlebt habe:

Planung und Meetings

In der Anfangsphase eines agilen Scrum-Projektes muss ein Produkt-Backlog erstellt und mit priorisierten User Stories befüllt werden. Danach stehen zwei Sprint-Meetings an, in denen gemeinsam mit dem Entwicklungsteam diskutiert wird, wie viele der User Stories im folgenden Sprint umgesetzt werden.

Für diese Aufgaben stellt GreenHopper die Ansicht “Plan” bereit, in der das Produkt-Backlog und der aktuelle Sprint als Boxen dargestellt werden und Vorgänge zwischen diesen Boxen per Drag & Drop verschoben werden können. Neu erstellte Vorgänge werden automatisch ins Produkt-Backlog eingefügt und können dann in den Sprint verschoben werden.

Auch das zweite Sprint Meeting kann komplett mit GreenHopper durchgeführt werden: klickt man im Sprint-Backlog auf einen Vorgang, werden dessen Details rechts dargestellt und können inline bearbeitet werden, z.B. um Story Points zu vergeben oder um Aufgaben zu einer User Story zu erstellen.

greenhopper_plan

GreenHopper “Plan” Board

 

Sprint und Daily Scrums

Die Phase des aktiven Sprints wird von GreenHopper durch das “Work”-Board unterstützt. Hier werden alle Vorgänge des Sprint-Backlogs in einem klassischen Taskboard mit dem Spalten “To Do”, “In Progress” und “Done” dargestellt. Auch hier können Vorgänge einfach per Drag & Drop verschoben werden, in diesem Fall von einem Status in einen anderen. Die dargestellten Spalten sind natürlich frei konfigurierbar und können je nach verwendetem Arbeitsablauf auch Vorgänge aus mehreren Status beinhalten.

Per Klick werden rechts die Details des Vorgangs geöffnet und können direkt inline bearbeitet werden. Mit Swimlanes können die Vorgänge in dieser Ansicht zusätzlich nach User Story, Bearbeiter etc. sortiert werden – im Screenshot werden die Vorgänge entsprechend ihrer User Story angezeigt. Im Daily Scrum kann z.B. eine Ansicht nach aktuellem Bearbeiter ausgewählt werden – auf diese Weise kann jedes Mitglied des Entwicklungsteams seine derzeitigen Aufgaben der Reihe nach durchgehen.

Clever: wenn man einen Sprint beendet, werden automatisch alle unerledigten Vorgänge zurück ins Produkt-Backlog geschoben und können von dort aus neu geplant werden.

greenhopper_work

GreenHopper “Work” Board

Reporting

Für die Auswertung eines oder mehrerer Sprints stellt GreenHopper die “Report” Ansicht zur Verfügung. Unter anderem stehen die Reports Burndown, Sprint Report, Velocity Chart und Flussdiagramm zur Verfügung (siehe Screenshot).

 

Verfügbare Reports in Greenhopper

Verfügbare Reports in Greenhopper

Positiv: die Reports sind alle sehr übersichtlich und sinnvoll aufbereitet. Negativ: die Diagramme sind kaum anpassbar – nur das Flussdiagramm kann angepasst werden, z.B. nach “Only My Issues” oder einzelnen Swimlanes. Dennoch sollten die bestehenden Reports auch ohne weitere Filtermöglichkeiten für die meisten Anwendungsfälle ausreichen.

GreenHopper Burndown Chart

GreenHopper Burndown Chart

Fazit

Im Gegensatz zu früheren Produktversionen, in denen man stets Konfigurationsänderungen an Jira vornehmen musste (z.B. Sprints als Versionen abbilden), unterstützt GreenHopper inzwischen den kompletten Scrum-Zyklus bereits “Out of the Box”. Für jede Scrum-Phase steht ein eigenes Board zur Verfügung, mit dem sowohl der Product-Owner als auch das Entwicklungsteam komplett in Jira arbeiten können. Wer in einem Unternehmen agile Prozesse etablieren oder elektronisch unterstützen möchte, muss Jira in Verbindung mit GreenHopper in die engere Wahl ziehen.

25. März 2013 von Sebastian Höhne
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